AFFOLTERundSIEBER
der satirische Polit-Blog

Zugegeben, alte weisse Männer sind gerade nicht angesagt: zu alt, zu weiss, zu nervig. Kurz, einfach unmöglich. Dennoch melden sich AFFOLTERundSIEBER zu Wort, und zwar deutlich. Aus Lust an der Kritik und aus Ärger über die herrschenden Zustände. Als da unter anderem wären: die Macht der Konzerne, die Hilflosigkeit der Politik, die Zumutungen des Alltags. Und natürlich auch die grässliche Fröhlichkeit der RadiomoderatorInnen.

Freuen Sie sich auf überraschende Dialoge von AFFOLTERundSIEBER. Schalten Sie ein, wenn es wieder heisst: "Jetzt reden wir". 

Heute zum Thema:

Von den Influenza zu den Influenzern und zurück

Affolter: Diese Influenza hat uns ganz schön beeinfluss, finde ich.

Sieber: Ist das nicht schon lange her? Ich glaube, da haben wir noch gar nicht gelebt.

Affolter: Eben, wir nicht, aber unsere Grosseltern. Und hätten die die Influenza 1918 nicht überlebt...

Sieber: ...dann wären wir jetzt nicht zwei nörgelnde Rentner.

Affolter: Aber uns wäre viel erspart geblieben.

Sieber: Sehr richtig. Zum Beispiel YouTube.

Affolter: Instagram.

Sieber: Die Covit-App, Tic-Toc und wie das Zeug sonst noch heisst.

Affolter: Und vor allem die Beeinflusser.

Sieber: Jaja, die Influenzer. Magst du die nicht?

Affolter: Nein, herzlichen Dank. Achtzehnjährige Rapper-Rüpel und Botox-Jungfrauen, dumm wie Bohnenstroh.

Sieber: Aber wir sind als AFFOLTERundSIEBER doch auch so etwas wie Influenzer. Schliesslich sind wir auf den Sozialen Medien präsent.

Affolter: Ja, wegen meiner Tochter, ich will damit nichts zu tun haben. Wir machen Rentner-Satire, das reicht.

Sieber: Da verpassen wir aber eine grosse Chance. 

Affolter: Du redest daher wie ein Marketing-Fritz.

Sieber: Ich meine nur: wenn Leute mit ihren Tattoos Medienstars werden, dann müssten wir doch auch...

Affolter: Ich lasse mich nicht tätowieren! Oder willst du mit einer Person zu tun haben, die aussieht wie die Schweizer-Illustrierte?

Sieber: Nun ja, wir müssten die Leute nicht gerade mit Tattoos influenzen. Aber ich habe uns Turnschuhe gekauft.

Affolter: Meine Treter kann ich immer noch selber kaufen, auch wenn ich mir bei Dosenbach wegen dieser verdammten Treppe fast das Genick breche. Die Herrenschuhe sind nämlich im Untergeschoss.

Sieber: Nein, nein, keine gewöhnlichen Turnschuhe. Sie sind rosarot und tragen das Emblem von Louis und Schuster. Solche Dinger trägt hier sonst noch niemand.

Affolter: Ja und?

Sieber: Und dann filmen wir uns mit unseren Smartphones, ich meine, wie wir so herumgehen, und dann stellen wir das Filmchen auf YouTube und vor allem Facebook, das ist das Medium der Alten.

Affolter: Und was hat die Welt davon?

Sieber: Damit sind wir total angesagte Influenzer und werden von Louis und Schuster mit Geld überhäuft. Weil dann hier alle Rentner so herumlaufen wollen wie wir und diese rosaroten Turnschuhe kaufen wie wild. 

Affolter: Man kann also mit jedem Scheiss influenzen?

Sieber: Nicht nur 'man', auch Tiere sind willkommen.

Affolter: Nun ja, die Tierliebe treibt seltsame Blüten.

Sieber: Kennst du die Katze von Karl Lagerfeld.

Affolter: Meines Wissens ist Karl Lagerfeld tot und die Katze wird wohl verhungert sein.

Sieber: Keineswegs. Choupette hat das ganze Vermögen des Modezars geerbt und ist auf Instagram eine Modeikone. So wie dieser italienische Windhund.

Affolter: Windhunde sind widerliche Köter. Wenn wir schon bei den Hunden sind: Hast du gewusst, dass Karl Lauterbachs Hund unter Polizeischutz steht?

Sieber: Jetzt übertreiben sie's aber wirklich, die Corona-Leugner. Wie gesagt, dieser italienische Windhund, Tika the Iggy genannt, ist auch so ein Influenzer, ein sogenannter Dogfluenzer quasi. Eine richtige Geldmaschine ist das. Kapuzenpullis, Caps, Schlüsselanhänger, Unterwäsche, alles mit dem Bild von Tika the Iggy. Läuft, kann ich dir sagen.

Affolter: Dogfluenzer, ich weiss nicht, ich weiss nicht. Das geht schon in Richtung Perversion.

Sieber: Trotzdem, du wirst sehen, diese Turnschuhe, und unser Konterfei auf T-Shirts, Kappen, Kutten, Kaffeetassen. Man wird uns die Goldbeutel nur so zuwerfen.

Affolter: Und was machen wir mit dem vielen Geld?

Sieber: Damit beschaffen wir uns die Aktienmehrheit beim FC Basel.

Affolter: Himmel, du musst zum Arzt. Influenza!

2. Mai 2021

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